Modul E1: Früherkennung und Diagnostik von Demenzen

Zentrale Leitung

Prof. Dr. med. Johannes Kornhuber / Prof. Dr. med. Jens Wiltfang
Klinik mit Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Erlangen
Schwabachanlage 6
91054 Erlangen.
Tel.:  +49 - (0)9131 - 853 4166
Fax.: +49 - (0)9131 - 853 6002
E-Mail: direktion-psych@uk-erlangen.de

Hintergrund

Seit einiger Zeit stehen verbesserte medikamentöse Therapien zur Behandlung der Alzheimer-Demenz zur Verfügung, die die Krankheit zwar nicht heilen, deren Verlauf jedoch positiv beeinflussen können. Zu diesen Therapien gehört beispielsweise die Behandlung mit Hemmstoffen der Acetylcholinesterase (AchE-Inhibitoren) und/oder Memantine (siehe Modul E 2). Es gibt Hinweise darauf, dass derartige Therapien besonders wirksam sind, wenn sie frühzeitig eingesetzt werden. Bislang lassen sich verschiedene Demenzen nur durch den Ausschluss anderer Krankheiten indirekt feststellen. Eine direkte Diagnostik (Positivdiagnostik) aber fehlt, mit deren Hilfe Demenzerkrankungen schon im Frühstadium zuverlässig erkannt werden können. Auch stehen bisher keine diagnostischen Verfahren zur Verfügung, mit denen bereits im Vorstadium einer Demenzerkrankung, der so genannten leichten kognitiven Störung, zuverlässig vorhergesagt werden könnte, welcher Patient voraussichtlich an einer Demenz erkranken wird.

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Ziele

Ziel des Moduls E1: Früh- und Differentialdiagnostik ist es, mittels der Teilprojekte Neuropsychologie, Neurochemische Demenzdiagnostik und Bildgebung die Diagnostik früher Stadien von Demenzerkrankungen zu verbessern. Damit sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Therapien möglichst frühzeitig begonnen werden können, im besten Fall präventiv, das heißt bereits vor dem Auftreten von Krankheitssymptomen.

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Methodik

Innerhalb von mehreren Jahren werden ca. 1000 Patienten mit Frühstadien demenzieller Erkrankungen und ca. 1000 Patienten mit einer leichten kognitiven Störung durch die am Kompetenznetz beteiligten 14 Zentren in die diagnostischen Untersuchungen der Teilprojekte des Moduls E 1 eingeschlossen. Die Patienten werden verlaufsabhängig über drei Jahre (jährliche Kontrolle) untersucht.

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Kurzdarstellung der Teilprojekte

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Teilprojekt: Psychopathologie, Demographie und Neuropsychologische Diagnostik

International gibt es bisher keine ausreichend abgesicherten klinischen Instrumente für die Diagnostik früher Demenzstadien und keine verbindlichen Kriterien für die neuropsychologische Diagnostik der leichten kognitiven Störung. Auch ist für die neuropsychologischen Testverfahren nicht bekannt, ob durch ihren kombinierten Einsatz ein möglicher Übergang aus dem Stadium der leichten kognitiven Störung zu einer Demenz für den einzelnen Patienten vorhergesagt werden kann. Diese Fragen sind Gegenstand dieses Teilprojekts.

Neuropsychologische Testung

Testverfahren im Auszug

Die standardisierte Auswertung von neuropsychometrischen Tests ermöglicht Rückschlüsse auf Gedächtnisleistungen, visuell-räumliche Orientierung, Psychomotorik und Konzentrationsfähigkeit. In dem Teilprojekt E 1.1 werden mehrere neuropsychologische Testverfahren vergleichend eingesetzt, um verschiedene Aspekte des Krankheitsverlaufs möglichst zuverlässig abzubilden und therapeutische Effekte ausreichend sensitiv nachweisen zu können. Damit eine einheitliche und verlässliche Erhebung der Daten an allen beteiligten 14 Zentren des Kompetenznetzes gewährleistet ist, werden an den Zentren regelmäßige Schulungen der Kollegen ("Rater Training") durchgeführt. Diese Maßnahmen erlauben eine optimale Qualitätssicherung der klinischen und neuropsychologischen Diagnostik und sind eine unverzichtbare Voraussetzung für die Durchführung multizentrischer Studien. Die ausgewählten Untersuchungsgrößen, diagnostischen Verfahren und Untersuchungsabläufe werden in einem Handbuch dokumentiert.

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Teilprojekt: Neurochemische Demenzdiagnostik

Die neurochemische Demenzdiagnostik ist auf dem Weg von einer traditionellen Ausschlussdiagnostik zu einer Positivdiagnostik. Ziel des Teilprojektes ist es, Standards zu definieren, die eine Grundlage für bundesweit einheitliche Untersuchungsmethoden auf dem neuesten Stand der Wissenschaft bilden. Desweiteren sollen Untersuchungen einfacher und genauer werden. So sind Demenzen bis jetzt nur durch aufwendige Untersuchungen von Rückenmarksflüssigkeit, so genanntem Liquor zu diagnostizieren. Zukünftig sollen Untersuchungen von aussagekräftigen Stoffen im Blut entwickelt werden, das leichter und kostengünstiger zu gewinnen ist.

Ein Schwerpunkt liegt auf der verbesserten Frühdiagnostik demenzieller Erkrankungen. Hierzu ist insbesondere bei "Alzheimer" zwischen der Krankheit und der Demenz zu unterscheiden. Die Krankheit liegt möglicherweise schon Jahrzehnte vor, ohne den Patienten zu beeinträchtigen, bis es zur eigentlichen Demenz kommt. Da bestimmte neurochemische Demenzmarker, d. h. typische Stoffe in Liquor und Blut, bereits mit der Alzheimer-Krankheit nachzuweisen sind, ist zu erwarten, dass die neurochemische Demenzdiagnostik bereits vor Ausbruch der Alzheimer-Demenz eingesetzt werden kann. Erste Ergebnisse zu Veränderungen bei Patienten mit leichter kognitiver Störung, die verlaufsabhängig untersucht wurden, bestätigen diese Annahme.

Ein weiterer Focus sind der Einsatz neuer methodischer Verfahren aus dem Bereich "clinical proteomics", mit deren Hilfe neuartige neurochemische Demenzmarker in Liquor, Plasma und Serum identifiziert werden. Desweiteren wird die Entwicklung so genannter "Multiplex Assays", die die gleichzeitige Bestimmung mehrerer Demenzmarker im selben Probenvolumen zulassen (Demenzbiochip), vorangetrieben.

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Teilprojekt: Bildgebung

Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren lassen sich je nach Art des Verfahrens krankhafte Veränderungen der Struktur oder der Stoffwechselaktivität im Gehirn sichtbar machen. Im Teilprojekt Bildgebung soll neben der Abbildung von Therapieeffekten untersucht werden, inwieweit durch verschiedene radiologische Verfahren die Frühdiagnostik demenzieller Erkrankungen verbessert werden kann. Bei Patienten mit leichter kognitiver Störung soll auch festgestellt werden, inwieweit das Auftreten einer späteren Demenzerkrankung vorhergesagt werden kann.

Der Bereich Bildgebung teilt sich in die morphometrischen kernspintomographischen Untersuchungen und die spektroskopischen kernspintomographischen Untersuchungen. Bei ersterem Verfahren werden insbesondere die Veränderungen der Gehirnstruktur, bei letzterem Auffälligkeiten in der Stoffwechselaktivität des Gehirns deutlich. Weitere spezielle Verfahren, bei denen z. B. Größenveränderungen bestimmter Gehirnregionen gemessen werden können, sind bei Untersuchungen im Krankheitsverlauf besonders wertvoll.

Bildgebende Verfahren

Protonen-Magnetresonanzpektroskopie

Alterseffekte auf die Abnahme in der grauen Substanz (rot markiert) in einer genetischen Risikogruppe der Alzheimer Krankheit (Down Syndrom). Dargestellt mittels voxel-basierter Morphometrie (Teipel et al., Brain, 2004)

 

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Ansprechpartner

Die Ansprechpartner der einzelnen Zentren finden Sie unter Projektleiter.