Modul E3: Früherkennung, genetische Prädisposition und hausärztliche Versorgung

Modul E 3.1: Früherkennungsprojekt

Früherkennung von Patienten mit Leichten Kognitiven Beeinträchtigungen und Demenzen in der hausärztlichen Versorgung

Projektskizze E 3.1: "Early detection of patients with mild cognitive impairment and dementia in primary care"

Hintergrund

Die Frühdiagnose einer demenziellen Erkrankung ist schwierig, weil die Erkrankung oft schleichend beginnt und die Unterschiede zwischen "normal" und "krankhaft" fließend sind. Eine "Leichte Kognitive Beeinträchtigung (LKB)", englisch "Mild Cognitive Impairment (MCI)", kann nicht als Vorläuferin einer demenziellen Entwicklung betrachtet werden, da nur etwa 20 Prozent der Patienten mit einer LKB tatsächlich eine Demenz entwickeln. Patienten mit LKB stellen somit allenfalls eine Risikogruppe für die Entwicklung einer Demenz dar.
Auch neuropsychologische Tests liefern nicht notwendiger Weise eindeutige diagnostische Ergebnisse, da diese Tests vielen Störfaktoren unterliegen. So ist es ungewiss, welche Bedeutung ein "schlechtes Abschneiden" in solchen Tests hat. Denn ein Patient kann in einem Test einfach deshalb schlecht abschneiden, weil er eine geringe Schulbildung hat oder in der Testsituation wenig motiviert ist oder an einer Depression leidet. In all diesen Fällen hat das schlechte Testergebnis nichts mit dem Hinweis auf die Entwicklung einer Demenz zu tun. Ganz besonders schwierig gestaltet sich die Unterscheidung zwischen dem frühen Stadium einer Demenz und dem normalen Alterungsprozess in der hausärztlichen Versorgung, da hier der Anteil dementer Patienten an der Praxispopulation relativ gering ist und die Patienten "unselektiert" sind.

nach oben

Ziele

Ziel dieses Teilprojektes ist die Prüfung der Vorhersagekraft verschiedener neuropsychologischer Testverfahren für das Auftreten einer Demenz. Im Unterschied zu Modul E 1 werden in E 3.1 Patienten aus Allgemeinarztpraxen untersucht. Alle in die Studie eingeschlossenen Patienten, auch die mit einer "Leichten Kognitiven Beeinträchtigung", werden unter ihren "normalen" gegenwärtigen Behandlungsbedingungen beobachtet, um in Zukunft die prognostische Bedeutung der neuropsychologischen Testergebnisse besser zu verstehen. In diesem Teilprojekt sollen auch Risikofaktoren für die Entwicklung einer Leichten Kognitiven Beeinträchtigung beziehungsweise einer Demenz identifiziert werden.

nach oben

Methodik

Bei Teilprojekt E 3.1 handelt es sich um eine prospektive, multizentrische Längsschnittstudie: Insgesamt sind über 3000 Patienten im Alter zwischen 75 und 89 Jahren über ihre Hausärzte in die Studie eingeschlossen worden.
An diesem Projekt sind sechs der vierzehn Zentren des Kompetenznetzes beteiligt: Bonn, Düsseldorf, Hamburg, Leipzig, Mannheim und München. Die sechs Zentren kooperieren mit Hausärzten aus der Umgebung. Jeder Patient wird im Abstand von jeweils 1,5 Jahren insgesamt drei Mal befragt. Die Befragung besteht aus Fragen zur sozialen Situation, zu Vorerkrankungen, zur Medikation sowie aus einer Sammlung neuropsychologischer Tests.

nach oben

Ansprechpartner für E 3.1

Leitung:
Bonn: Prof. Dr. W. Maier
Düsseldorf: Prof. Dr. H.-H. Abholz
Hamburg: Prof. Dr. H. van den Bussche
Leipzig: Prof. Dr. M. C. Angermeyer

Koordinatoren an den einzelnen Standorten:

Bonn: Dr. H.-P. Romberg
Düsseldorf: Dipl.Psych. M. Pentzek
Hamburg: Dr. H. Kaduszkiewicz
Leipzig: Prof. Dr. H. Sandholzer
Mannheim: Prof. Dr. S. Weyerer und Dr. M. Mayer
München: Dr. H. Bickel

Die Kontaktdaten der Ansprechpartner finden Sie unter Projektleiter.

 

nach oben

Modul E 3.2: Genetikprojekt

Identifikation von genetischen Markern und Haplotypen für Demenzerkrankungen

nach oben

Hintergrund

Als Ursache von demenziellen Erkrankungen spielen neben Umweltfaktoren genetische Faktoren eine sehr entscheidende Rolle. Es ist davon auszugehen, dass mehrere Gene das Erkrankungsrisiko beeinflussen. Bisher ist nur eine einzige genetische Variante sicher bekannt (ApoE4). Die Kenntnis von Dispositionsgenen kann in Zukunft der Früherkennung von Demenzen dienen. Das Wissen um die spezifischen Dispositionsgene kann Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer medikamentöser Therapien auf der Grundlage neuer Wirkmechanismen sein.

nach oben

Ziele

  • Suche nach Risikogenen für Demenzen.
  • Abschätzung des prädiktiven Wertes der Risikovarianten für die Krankheitsentstehung.
  • Identifikation von Genen, die den Krankheitsverlauf und das Ansprechen auf eine Therapie beeinflussen.
  • Abschätzung von deren Prädiktionskraft.
  • Voraussage des Therapieerfolgs in den Therapiestudien
nach oben

Methodik

  • Anlage einer DNA-Bank (mit 3 Standorten: Bonn, Hamburg, München).
  • Datenschutzgesetzkonforme Verknüpfung mit den klinischen Daten, Anwendung der Pseudonymisierung zum Schutz persönlicher Daten.
nach oben

Ansprechpartner für E 3.2

Leitung:

Bonn: Prof. Dr. W. Maier
München: Prof. Dr. H. Kretzschmar

Die Kontaktdaten der Ansprechpartner finden Sie unter Projektleiter.

nach oben

Modul E 3.3: Versorgungsprojekt

Hausärztliche Versorgung von Patienten mit Leichten Kognitiven Beeinträchtigungen und Demenzen

nach oben

Abgeschlossene Projekte

In der 1. Förderperiode des Kompetenznetzes Demenzen wurden mehrere Projekte zur hausärztlichen Versorgung von Patienten mit Leichten Kognitiven Beeinträchtigungen und Demenzen durchgeführt. Verantwortlich für die Projekte waren die Institute für Allgemeinmedizin in Hamburg und Düsseldorf.

 

Wie sieht die Wirklichkeit der hausärztlichen Versorgung von Patienten mit kongitiven Störungen

   und Demenzen aus?


Zu dieser Fragestellung wurden zwei Projekte durchgeführt:

  1. 30 einstündige, leitfadengestützte Interviews mit Hausärzten aus Hamburg und Düsseldorf im Jahre 2003 sowie
  2. eine postalische Befragung von Hausärzten, Neurologen und Psychiatern im Jahre 2004.

Die Ergebnisse der Untersuchungen finden Sie unter anderem in folgenden Veröffentlichungen:

  • Hamburg E3.3. Flyer (klicken Sie hier, um den Flyer als pdf-Datei herunterzuladen)
  • Kaduszkiewicz H, van den Bussche H: Behandlung von Patienten mit Hirnleistungsstörungen und Demenzen. Möglichkeiten und Grenzen – Sichtweisen von Hausärzten. Med Welt 2005; 56: 65-8
  • Kaduszkiewicz H, Sperber S, van den Bussche H: Möglichkeiten und Grenzen der hausärztlichen Versorgung von Patienten mit kognitiven Störungen und Demenzen. Berichtband des 29. Interdisziplinären Forums der Bundesärztekammer "Fortschritte und Fortbildung in der Medizin", Januar 2005

Was beeinflusst das diagnostische und therapeutische Vorgehen von Hausärzten bei Demenz?


Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurden zwei intensive Literaturrecherchen durchgeführt. Erstere beschäftigt sich mit dem Bereich Früherkennung kognitiver Störungen in der Hausarztpraxis. Es wurden die betreffenden Studien analysiert und kritisch bewertet. Die Ergebnisse sind veröffentlicht unter:

  • Pentzek M, Abholz HH: Das Erkennen von Demenzen in der Hausarztpraxis - eine kritische Übersicht zur Studienlage. NeuroGeriatrie 2004; 1:69-76

Der zweite Themenkomplex befasste sich mit verschiedenen Einflussfaktoren auf das hausärztliche Handeln bei Demenz:

  • Pentzek M, Abholz HH: Das Übersehen von Demenzen in der Hausarztpraxis - der Stand der Forschung zu möglichen Einflussfaktoren. Jahrbuch für Kritische Medizin 2004; 40: 22-39

Darauf aufbauend und auf der Grundlage von Expertenurteilen wurde ein Wissenstest für Hausärzte zum Thema Demenz konzipiert und an 2000 Hausärzte in ganz Deutschland sowie an universitäre Lehrbereiche für Allgemeinmedizin verschickt. Erste Ergebnisse können im Sommer 2005 in einem Sonderheft der Zeitschrift „Nervenheilkunde“ nachgelesen werden:

  • Pentzek M, Fuchs A, Abholz HH. Die Einstellungen der Hausärzte zu Demenzen – kognitive, affektive und externe Komponenten. Nervenheilkunde 2005; zur Publikation angenommen.

Wovon hängt die Treffsicherheit der hausärztlichen Einschätzung der kognitiven Leistung eines

   Patienten ab?


Als entscheidende Einflussfaktoren für die Treffsicherheit der Arzteinschätzung wurden für dieses Projekt die Kenntniss des Patienten und die soziale Einbettung des Patienten  postuliert.

Die Auswertung des Projektes ist noch nicht abgeschlossen.

nach oben

Laufende Projekte

In der 2. Förderphase des Kompetenznetzes Demenzen führt das Institut für Allgemeinmedizin in Hamburg ein Projekt zur "Entstigmatisierung von kognitiven Störungen und Demenzen in der Hausarztpraxis" durch.
Dabei wird ein Trainingsprogramm für Hausärzte entwickelt, in welchem der Umagng und das Gespräch mit Demenzpatienten thematisiert und geübt wird. Weitere Informationen über dieses Projekt erhalten Sie in dem Flyer "Entstigmatisierung" (klicken Sie hier, um den Flyer als pdf-Datei herunteruzuladen).

In Düsseldorf wird der Einfluss einer Demenz auf die hausärztliche Versorgung zweier häufiger Erkrankungen untersucht: "Die Versorgung von Diabetes und Bluthochdruck bei dementen vs. nicht-dementen atienten". Ziel der Studie ist es, am Beispiel zweier häufiger Erkrankungen zu untersuchen, ob und ggf. welchen Einfluss die Diagnose einer Demenz für die Behandlung anderer Erkrankungen des Patienten hat.

nach oben

Ansprechpartner E 3.3

Leitung:
Düsseldorf: Prof. Dr. H.-H. Abholz
Hamburg: Prof. Dr. H. van den Bussche

Projektkoordinatoren:
Düsseldorf: Dipl.-Psych. Michael Pentzek
Hamburg: Dr. med. Hanna Kaduszkiewicz und Dipl.-Psych. Iris Röntgen

Die Kontaktdaten der Ansprechpartner finden Sie unter Projektleiter.